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Wundreinigung als Voraussetzung für ein effektives Wundmanagement

Larven oder Ultraschall? Verschiedene Arten der Wundreinigung

Um eine Wunde richtig zu behandeln, muss man zunächst wissen, welche Ursachen sie hat und wie sie beschaffen ist. Erst danach kann die Auswahl der geeigneten lokalen Produkte erfolgen. Um die Wunde überhaupt beurteilen und bestimmen zu können, muss man sie jedoch zunächst reinigen.

Die Wundreinigung (Debridement) ist ein elementarer Bestandteil der Wundversorgung und steht am Anfang der lokalen Therapie. Ziel ist es, die Wunde von Belägen, Nekrosen, avitalem Gewebe und überschüssigem Exsudat zu befreien. Unter Belägen können sich feuchte Kammern bilden und so Infektionen begünstigen.

Definitionen der Initiative Chronische Wunden:

  • Als Nekrose wird abgestorbenes, zuvor vitales Gewebe bezeichnet
  • Als Exsudat bezeichnet man alle Flüssigkeiten, die von einer Wunde freigesetzt werden (z.B. Lymphe, Blut, Proteine, Keime, Zellen oder Zellreste)
  • Unter dem Begriff Debridement versteht man das Entfernen von avitalem Gewebe aus der Wunde.

Erst nach einer ausgiebigen Wundreinigung/ Debridement kann die Wunde beurteilt werden und mögliche Unterminierungen (Taschen und Fisteln unterhalb einer Wunde) werden sichtbar. Nur so wird der effektive Einsatz zeitgemäßer Verbandstoffe möglich.

Zur Info

Trockene Nekrosen bei pAVK (arterieller Durchblutungsstörung) sollten trocken behandelt werden. Erst nach Revaskularisation sollten ein Debridement und eine phasengerechte Versorgung erfolgen!

Verschiedene Möglichkeiten des Debridements

Es gibt unterschiedlichste Methoden, an die Wundsäuberung heranzugehen. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle, vor allem natürlich auch die Verfassung des Patienten, damit einhergehend die Dringlichkeit der Lage und selbstverständlich die Erfordernisse der betreffenden Wunde.

Mechanisches Debridement

Unter dem mechanischen Debridement versteht man das Ausspülen und Auswischen von Wunden mit geeigneten Spüllösungen und Kompressen. Dadurch lassen sich nicht haftende Beläge lösen und entfernen.

mechanisches-debridement
Eine Wunde vor und nach mechanischem Debridement

Autolytisches Debridement

Hierbei kommt es durch die Schaffung eines feuchten Wundmilieus zum Aufquellen von avitalem (abgestorbenen) Gewebe. Dieses wird durch körpereigene Enzyme (Proteolyse) verflüssigt und mit dem Exsudat aus der Wunde ausgespült. Das autolytische Debridement ist zwar ein schonendes Verfahren, allerdings ist es sehr zeitaufwändig.

Chirurgisches Debridement

Chirurgisches Debridement ist das Ausschneiden einer Wunde mittels Skalpell, Ringkürette oder anderer ,,schneidender“ Instrumentarien. Es ist ein radikales Verfahren, um avitales Gewebe zu entfernen. Ein chirurgisches Verfahren beinhaltet immer eine entsprechende Anästhesie. Das chirurgische Debridement ist ein schnelles und sehr effektives Verfahren, aber auch invasiv und gewebetraumatisierend.

Biochirurgisches Debridement

Das biochirurgische Debridement bezeichnet den Einsatz von steril gezüchteten Larven. Die Larven verflüssigen durch ihren Speichel Nekrosen und Beläge. Des Weiteren entwickeln die Ausscheidungen der Fliegenlarven eine antibakterielle Wirkung. Dieses Verfahren ist effektiv und schonend für den Patienten, bedarf aber der Akzeptanz von Anwender und Betroffenem.

Enzymatisches Debridement

Nennt man das enzymatische Debridement, so meint man damit den Einsatz von synthetischen proteolytischen Enzymen, die verflüssigend auf Beläge und Nekrosen wirken. Diese Wirkung ist allerdings zeitlich begrenzt, sodass ein häufiger Verbandswechsel erfolgen sollte. Dadurch steht wiederum ein erhöhter Pflegeaufwand und Materialaufwand zu Buche.

Ultraschall-assistierte Wundreinigung

Ultraschall-assistierte Wundreinigung (UAW) entfernt Nekrosen und Beläge mittels niedrigfrequenten Ultraschall in Verbindung mit einer Spüllösung aus der Wunde. Gesundes, vitales Gewebe wird geschont, somit wirkt die UAW selektiv. Biofilm wird aufgesprengt und Antiseptika können besser eindringen. Durch die Schwingungen der Sonotrode (25000 mal/s) entstehen in der Spülflüssigkeit sogenannte Kavitationsbläschen, die Bakterien abtöten können, indem sie implodieren. Dieses Verfahren ist sehr effektiv und gewebeschonend, eine Lokalanästhesie ist notwendig.

Wunde vor der UAW

vor der Ultraschall-assistierten Wundreinigung

Wunde nach der UAW

nach der Ultraschall-assistierten Wundreinigung

Welches Debridement ist das richtige für meinen Patienten?

Vor der Wundreinigung ist zunächst die Ursache der Wunde abzuklären und eine entsprechende Diagnostik erforderlich.

Die Auswahl des geeigneten Debridements richtet sich nach zahlreichen Faktoren:
So sind die Patientensituation wie Allgemeinzustand, Versorgungssituation, Grund und Begleiterkrankungen zu berücksichtigen. Ebenso die Wundart, Größe und Beschaffenheit der Wunde.

Aber auch Ängste vor Schmerzen und Komplikationen sowie negative Erfahrungen der Betroffenen müssen bei der Entscheidung berücksichtigt werden.
Des Weiteren spielt die Medikation eine Rolle: Beispielsweise kann unter Antikoagulanzien ein chirurgisches Debridement nicht erfolgen.

Auch kann es durchaus sein, dass aufgrund von Multimorbidität und hohen Komplikationen von einem chirurgischen Debridement abgesehen wird und stattdessen ein autolytisches Debridement erfolgt, welches zwar zeitaufwendiger, aber für den Patienten weniger belastend ist.

Auch wirtschaftliche Gesichtspunkte müssen letzten Endes berücksichtigt werden.

Die Entscheidung sollte hier immer gemeinsam im therapeutischen Team mit Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und Pflegenden getroffen werden. Nur so ist eine hohe Akzeptanz der Wundtherapie möglich.

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mario-giesslerMario Gießler ist Wundexperte und Pflegetherapeut Wunde ICW. Er arbeitet in der Südharz Klinikum Nordhausen GmbH. Auf dem KAI 2017 hält er einen Vortrag über die Palliative Wundversorgung: Off-Label-Use und andere Möglichkeiten. Sein Vortrag findet am 11.10. von 16:15 bis 17:00 im Wundplenum statt. Nimm an Marios Vortrag teil und komm anschließend mit ihm ins Gespräch, um ihn alles über Wunden zu fragen, was dir auf dem Herzen liegt!