Alginate werden aus marinen Braunalgen hergestellt und enthalten Alginsäure, Calcium und ggf. Spurenelemente (Zink und Mangan) oder Gelbildner. Je nach Alginat, werden die Kompressen oder Tamponaden mit zusätzlichen Fasern verstärkt oder als Hydroalginat mit Carboxymethylcellulose angereichert, um die Aufnahmekapazität des Alginats zu erhöhen.  Alginatkompressen/-tamponaden bestehen aus tamponierbaren, wirkstofffreien Calcium-Alginat-Fasern.

Funktionen der Alginate

Bei Kontakt mit Wundexsudat kommt es zu einem Ionenaustausch. Calciumionen werden vom Alginat abgegeben, Natriumionen aufgenommen. Die trockene Calziumalginatfaser wandelt sich dadurch in lösliches Natriumalginat. Es entsteht ein hydrophiles, nicht mit der Wunde verklebendes Gel.

Das umgewandelte Gel hat eine hohe Saugkapazität und schließt überschüssiges Wundexsudat, Zelltrümmer, sowie sonstige Abfallstoffe ein. Dadurch kann es zur Entwicklung unangenehmer Gerüche kommen.

Durch den hohen Calciumanteil besitzen Alginate eine hämostyptische (blutstillende) Wirkung. Sie haben einen sehr guten wundreinigenden Effekt und können ca. das 20-fache des Eigengewichts an Wundsekret aufnehmen. Zudem sind Alginate sind weich, gut drapierbar und passen sich durch ihre Gelform dem Wunduntergrund an. Sie sind jedoch ein körperfremder Stoff und sind beim Verbandswechsel vollständig aus der Wunde zu entfernen.

Anwendungsgebiete / Indikationen

Alginate sollten bei mittel bis stark exsudierenden, schmierig belegten und infizierten/nicht infizierten Wunden angewendet werden. Alginate können nur bei einem ausreichend feuchten Milieu ihre reinigende Funktion entfalten, ansonsten erfolgt die Gelumwandlung nicht. Sie wirken zudem bei unterminierten Wunden mit Höhlen– bzw. Taschenbildung, Fisteln und Abszessen, und Wunddehiszenz.

Eine Sekundärabdeckung ist erforderlich. Bei geringer und mäßiger Exsudation ist eine Abdeckung mit einer semipermeablen Folie oder mit einer sterilen Kompresse/Saugkompresse möglich, bei stärkerer Exsudation mit einem Schaumverband. Cave! Das vergelendes Alginat kann die Poren der Sekundärabdeckung verstopfen und zur Exsudatretention führen. Es sollte stets die Mazeration am Wundrand beachtet werden!

Alginate können bis zu sieben Tage (je nach Herstellangaben und Exsudationsmenge, vorhandener Infektion) auf oder in der Wunde verbleiben. In der Regel sollten die Tamponaden/Kompressen alle drei bis vier Tage gewechselt werden. Diese sind mit und ohne Silber erhältlich.

Hinweise zur Anwendung

Durch den Quellprozess kann frisches Granulationsgewebe zerdrückt werden, daher darf die Wunde nur locker mit der Wundauflage tamponiert werden. Alginate nehmen das Wundsekret nicht nur vertikal, sondern in alle Richtungen auf, ähnlich, wie ein Löschpapier. Daher ist eine passgenaue Applikation wichtig, da ansonsten eine Mazerationsgefahr für den Wundrand und der Umgebungshaut besteht. Daher ist die Verwendung eines Wundrandschutzes empfehlenswert. Die Kompresse / Tamponade muss vollständig aus der Wunde entfernt werden, daher ist der Einsatz nur an gut einsehbaren Regionen indiziert.

Bei eher mäßig sezernierenden Wunden kann die Auflage auch mit Ringer- oder physiologischer Kochsalzlösung angefeuchtet werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass sich dadurch die Aufnahmekapazität entsprechend verringert. Dasselbe gilt in Kombination mit Hydrogelen. Diese geben unter Druck die absorbierte Flüssigkeit fast vollständig wieder ab, was insbesondere unter Kompression oder bei Lagerung zu Problemen führen kann.

Autor: Sebastian Kruschwitz, exam. Krankenpfleger, Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW, Pflegefachkraft in der außerklinischen Beatmung, Fachbereichsleitung Wundmanagement im Zentrum für Beatmung und Intensivpflege in Berlin

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