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Das Ulcus cruris – chronisch oder chronisch unzureichend behandelt?

Laut Augustin, Hamburg, kann die Abheilung eines chronischen venösen Ulcus cruris mehrere Jahre dauern: Sechs Monate bis fünf Jahre können dabei schon benötigt werden. Es könne auch bis zu drei Jahre dauern, die Wunde erst zu diagnostizieren.

Woran liegt es aber, dass die Abheilung so lange dauert?

Zur Info

Ein venöses Ulcus cruris ist eine offene Wunde am Unterschenkel, die durch ein Venenleiden auftritt, insbesondere durch hohen Blutdruck in den Venen.

Trotz der Unmenge an verschiedenen Wundauflagen, die in den letzten zehn Jahren auf den Markt gekommen ist, hat man den Eindruck, die Abheilung des Ulcus cruris sei eher schlechter geworden.

Ein wichtiger Grund scheint die mangelnde Kompression bei chronischen venösen Ulcera zu sein.

Kompressionsverband bei einem Ulcus Cruris

In den letzten Jahren konnte man verfolgen, dass die verschiedensten Wundauflagen hoch gelobt wurden und der Eindruck hinterlassen wurde, das es ohne derartige so genannte moderne Wundauflagen gar nicht ginge.

Immer wiederkehrende Schlagwörter haben Besitz von der Wundversorgung ergriffen:

  • Moderne Wundversorgung
  • Ödem-Management
  • Feuchte Wundbehandlung

Gerade die feuchte Wundheilung ist allerdings keinesfalls immer angemessen, wird aber wie eine Monstranz vor sich her getragen, obwohl sowohl die Wunde als auch vor allem die Umgebung oft stark mazerieren, also aufweichen.

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Kompressionsmanagement geht vor Wundmanagement

Das bedeutet nichts anderes, als dass die Kompression eines chronischen venösen Ulcus wesentlich zielführender ist, um die Heilung zu erreichen, als die Wundauflage.

Schaumstoffbinde an einem Ulcus Cruris

Wenn man sich mit intensiver Kompression beschäftigt, staunt man, wie schnell die Wundheilung eines angeblich chronischen Ulcus einsetzt.

Die Barmer GEK sprach in ihrem Heil- und Hilfsmittel-Report von 2014 von einem Behandlungsfehler, wenn Patienten mit venösen Ulcera keine Kompression erhalten.

Denn die Effizienz der Kompression ist in diesem Bereich unumstritten.

Die Wundauflage spielt also eine völlig untergeordnete Rolle bei venösen Ulcera. Und derartige Wunden würde niemals Jahre bestehen, wenn man sofort mit der Kompression begänne – und nicht ständig eine andere Wundauflage auflegen würde.

Obwohl der genaue Patho-Mechanismus der Wundheilung noch nicht 100-prozentig bekannt, ist gibt es bereits einige konkrete Erkenntnisse:

  • Professor Gerhard vom Max Delbrück Zentrum in Berlin konnte feststellen, dass Gefäße Druck brauchen, damit Kapillaren neu sprießen können
  • Professor Ivo Buschmann von der medizinischen Hochschule Brandenburg hat festgestellt, dass durch Druck Kollateralbildungeen im Gefäßsystem angeregt werden

Fertiger Kompressionsverband

Demnach könnte es auch sein, dass die Anwendung der mehrschichtigen Kompression die Kapillaren sprießen lässt und die Wundheilung bewirkt.

Unsere Erfahrung in den letzten 20 Jahren an mehreren 1000 chronischen Wunden hat immer wieder gezeigt, dass Ulcera unter Kompression abheilen, die zuvor bei den verschiedensten Wundauflagen keinerlei Heilung zeigten.

Die Forderung der Zeit muss also eine Intensivierung der Kompressionstherapie bewirken, bevor man immer neue Wundauflagen auf den Markt wirft:

Die Abheilungsraten werden größer, die Patienten glücklicher, die Therapie günstiger und die Behandler zufriedener. Und die Krankenkassen werden sich auch freuen – hoffentlich.

Voraussetzung ist natürlich eine exakte Diagnostik vor Behandlungsbeginn. Dazu muss die Ausbildung der Behandler erweitert werden und kann nicht in wenigen Wochen abgeschlossen sein.

Die Abheilung des Ulcus cruris ist kein Mythos, sondern unter Kompression sehr oft problemlos möglich.

Und eine Wunde ist nicht an sich chronisch, nur weil sie ein paar Monate besteht. Sie ist leider allzu oft chronisch, weil die Behandlung nicht stimmt.

Du findest den Beitrag hilfreich? Dann teile ihn auf Facebook! Falls du Dr. Ullrich Katz live erleben möchtest, dann komm zum Kongress für Außerklinische Intensivpflege und Beatmung, am 10. & 11.10.2018! Hier kommst du zur Anmeldung.

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Dr. Ulrich KatzDr. Ulrich Katz ist Phlebologe und Allgemeinmediziner.

Die Phlebologie befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen, vor allem von Venenerkrankungen.

Der ehemalige Chefarzt am Ruhrpark Bochum ist mittlerweile als beratender Arzt & als leitender Arzt im Wundzentrum der AOK NORDOST tätig.

Auf dem KAI 2018 hält er am 11.10. von 10:50 – 12:20 im Wundplenume einen Vortrag über die Behandlung des Ulcus Cruris.