Die Zahl der Menschen mit einem Tracheostoma nimmt auch in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen stetig zu. Neben dem korrekten Umgang mit der Trachealkanüle ist die pflegerische Versorgung des Tracheostoma eine wichtige Maßnahme bei diesen Pflegekunden und erfordert spezielles Fachwissen.

Die Pflegeziele sollten dabei sein:

  • Hautschäden und Wundinfektionen zu vermeiden, die Haut intakt und reizlos zu halten,
  • Hautschäden und Wundinfektionen zu behandeln und zur Abheilung zu bringen
  • Druckschäden unter dem Kanülenschild und im Bereich des Haltebändchens vorzubeugen.

Das Maß der Sterilität und die Häufigkeit der Tracheostomapflege geben immer wieder Anlass zu Diskussionen. Generell helfen da einrichtungsinterne Standards. Dennoch sollte eine individuelle Pflege stattfinden und an die Situation mit den entsprechenden Maßnahmen angepasst sein.

Umgang mit einem Tracheostoma

Ein Tracheostoma ist direkt nach der Anlage als bedingt aseptische Wunde zu betrachten, d. h. ein Verbandwechsel muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen. Die Hygieneprinzipien, vor allem die Händedesinfektion, müssen konsequent eingehalten werden, da stets ein breites Keimspektrum vorliegen kann. Hautsituation zu beurteilen. In der Anfangsphase, bei starker Sekretion oder bei Hautkomplikationen muss er häufiger durchgeführt werden, nämlich immer dann, wenn die Trachealkompresse durchnässt ist.

  • Kanülenhaltebändchen müssen nicht jeden Tag gewechselt werden, sollten aber bei sichtbaren Verschmutzungen erneuert werden

Benötigte Materialien

  • Abwurf,
  • Händedesinfektionsmittel,
  • Unsterile Handschuhe,
  • Sterile Handschuhe (so genannte Absaughandschuhe),
  • Sterile Tupfer/Kompressen oder sterile Watteträger,
  • Cuffdruckmesser bei Kanülen mit Cuff,
  • Individuell ausgewählte Trachealkompresse,
  • Waschlappen und Handtuch,
  • Neues Kanülenhaltebändchen falls nötig.
  • Bei reizlosen Wundverhältnissen kann die Tracheostomaumgebung auch im Rahmen der allgemeinen Körperpflege mit pH-hautneutralen Pflegemitteln und lauwarmen Wasser erfolgen.
  • Kochsalzlösung oder Stomapflegetücher/-öl; bei Hautreizungen in der Wundumgebung können auch Wundspüllösungen eingesetzt werden. Hierbei sind die Einwirkzeiten derer zu beachten.
  • Bei Hautreizung und Mazeration: einen Acrylatfilm (Hautschutz), Wund- und Heilsalbe, z. B. Panthenol-Salbe.
  • Bei Entzündungszeichen und bereits offenen Läsionen sollte ein Schleimhautdesinfektionsmittel, Octenisept®, oder antiseptisch wirkende Salben (müssen vom Arzt angeordnet werden) eingesetzt werden.
  • Zinkpaste oder Penaten-Creme sind nicht geeignet, da sie die Hautporen verschließen und die Hautatmung nicht mehr gewährleistet werden kann. Zudem führt eine spätere Entfernung der Rückstände zu erneuten Hautreizungen.

Trachealkompressen

Bei den Trachealkompressen gibt es ein großes Angebot. Grundsätzlich sollen sie Trachealsekrete aufnehmen und das Kanülenschild abpolstern. Eine geschlitzte Kompresse ermöglicht den Kompressenwechsel, ohne dass die Kanüle entfernt werden muss. Eine spezielle Zip-Schlitzung soll das Herunterrutschen der Kompresse verhindern.

Bitte beachten:

Niemals aus 10 × 10 cm große Mullkompressen durch Einschneiden eine Trachealkompresse herstellen, da sich einzelne Mullfäden lösen und ins Tracheostoma gelangen können.

Trachealkompressen mit Aluminiumbedampfung: Die silbergraue Seite wird hautseitig aufgelegt. Durch die Aluminiumbedampfung verklebt die Kompresse nicht mit Blut und Sekret. Die Silberschicht wirkt hier hemmend auf das Wachstum der Bakterien, kann allerdings nur sehr wenig parastomales Sekret aufnehmen.

Einlagige Kompressen: Sie sind dünn und tragen wenig auf. Allerdings polstern sie auch nicht so gut und können nicht so viel Sekret aufnehmen.

Kompressen aus Polyurethanschaum: Sie sind in der Lage, viel Sekret aufzunehmen, und haben sehr gute polsternde Eigenschaften.

Zweilagige und dreilagige Kompressen: Sie nehmen deutlich mehr Sekret auf und transportieren es in das Kompresseninnere. Teilweise ist die obere Schicht wasserundurchlässig. So kann die Kompresse nicht durchweichen und die darüber getragene Kleidung ist geschützt.

Die Durchführung entspricht dem Vorgehen bei einem aseptischen Verbandwechsel. Im Einzelfall kann von diesem Vorgehen abgewichen werden. Die ausführende Pflegefachkraft trägt die Verantwortung für ihr Tun.

⇒ Beachten Sie, dass keine Flüssigkeit in das Tracheostoma gelangen darf – Aspiration!

Ggf. Hautschutzprodukt, antiseptisch wirkende Salbe oder Wund- und Heilsalbe in der Stoma Umgebung auftragen. Bei extrem geschädigter Haut bietet sich auch eine Hydrokolloidplatte aus der Stromversorgung  an, hier sollten ,,plane‘‘ Platten verwendet werden und die Lochgröße an das Tracheostoma bzw. die Größe der Kanüle angepasst sein. Cave: Anwendung im ,,Off Label use‘‘; Bereich immer vom Arzt schriftlich anordnen lassen und dokumentieren.


Autor:  Sebastian Kruschwitz, exam. Krankenpfleger, Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW, Pflegefachkraft in der außerklinischen Beatmung, Fachbereichsleitung Wundmanagement im Zentrum für Beatmung und Intensivpflege in Berlin

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