Wie sind Menschen, die ambulant gepflegt werden, vielleicht sogar auf intensivpflegerische Versorgung angewiesen sind, in die Maßnahmen des Katastrophenschutzes eingebunden? Was passiert mit ihnen in Krisensituationen? Wie wird gewährleistet, dass auch sie bei Großbränden, Hochwasser oder Gefahrstoffausbreitung, rechtzeitig informiert werden und Hilfe erhalten? Diesen Fragestellungen widmet sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsvorhaben zur Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastruktur in Krisensituationen, kurz: AUPIK.

Ziel des dreijährigen Projekts an der Universität Tübingen, des Deutschen Roten Kreuzes, der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie des Fachverlags Vincentz Network: die Stärkung der ambulanten Pflegeinfrastruktur in Krisen und Katastrophenfällen. Modellregion ist Magdeburg.

Geleitet wird das Forschungsvorhaben vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZWE) der Universität Tübingen. Weitere Partner: das Deutsche Rote Kreuz, das Intitut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften (IGPW) der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Vincentz Network. „Ausgangspunkt der Forschungsinitiative ist die Erkenntnis, dass die häusliche Pflege auf Störungen alltäglicher Abläufe oder gar Krisensituationen nicht ausreichend vorbereitet ist“, erklärt der Leiter des Forschungskonsortiums, Marco Krüger von der Uni Tübingen zum Projektauftakt Anfang März 2020. Und auch der Katastrophenschutz sei derzeit strukturell nicht in der Lage, die wachsende Zahl zuhause gepflegter Menschen in einer Katastrophensituation angemessen zu unterstützen.

Ziel von AUPIK ist es, einen nachhaltigen Dialog zwischen den bisher getrennt verlaufenden Strukturen der Pflege und des Katastrophenschutzes zu initiieren. Die häusliche Pflege soll gestärkt werden, so dass ihr Weiterbetrieb auch in Schadenslagen stabil und sicher gewährleistet ist und Pflegebedürftige weiter in ihrem gewohnten Umfeld versorgt werden können. In einem zweiten Schritt wollen die Konsortialpartner Maßnahmen zur vorübergehenden Zentralisierung bisher ambulanter und dezentraler Pflegeinfrastrukturen im Rahmen des Katastrophenschutzes schaffen. Ein Teilziel auf diesem Weg: die Entwicklung eines zentralen Betreuungsplatzes für die außerklinische Intensivpflege. „Unser zweistufiger Ansatz will Menschen so lange wie möglich in ihrem Umfeld belassen, aber auch vorbereiten, wenn dies nicht mehr funktioniert“, betont Marco Krüger.

Gefördert wird AUPIK durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung innerhalb des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ im Rahmen der Bekanntmachung „Zivile Sicherheit – sozioökonomische und soziokulturelle Infrastrukturen“. Projektträger ist die VDI Technologiezentrum GmbH in Düsseldorf.

Foto: Friedrich Gabel / IZEW