Haben Sie sich auch schon mal gefragt, „Warum bin ich so vorsichtig, wenn ich mit XY spreche und spüre Angst?“ Oder Sie fragen sich, „Warum fragen die Leute immer mich um Hilfe und nicht die Kollegen?“ Oder „Warum gebe ich immer wieder nach, wenn jemand nur laut genug jammert?“ Oder: „Warum geht es nur mir so schlecht und die anderen haben keine Probleme“?

Häufig verbergen sich hinter unserem Verhalten unbewusste Kommunikationsmuster – sogenannte psychologische Spiele, und es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen. Entwickelt wurde das Konzept von Eric Berne, dem Begründer der Transaktionsanalyse. Er nennt diese auch „Spiele der Erwachsenen“. Ende der 60er Jahre wurde dieses Modell von Stephen Karpman zum Drama Dreieck weiterentwickelt .

Das Dramadreieck

Bei diesen sogenannten Spielen handelt es sich um Kommunikationsmuster – wiederkehrende Muster mit zwei oder mehr Beteiligten. Diese Spiele erzeugen bei uns ungute Gefühle, sie sind die Ursache für Konflikte und haben meist keinen positiven Ausgang. Das Dramadreieck von Stephen Karpman hilft uns bei der Klärung solch unproduktiver Kommunikationsabläufe. Er stellte klassische Rollen in Spielen fest: die des Opfers, die des Verfolgers und die des Retters.

Innere Haltung: -/+ Ich bin nicht ok, Du bist ok oder -/- Ich bin nicht ok und Du bist auch nicht ok
Das Opfer: ist die Person, der etwas vorgeworfen wird. Das Opfer selbst übernimmt diese Rolle und sieht sich selber als Opfer. Die anderen sind verantwortlich dafür, dass es mir so schlecht geht. Ich selbst kann daran nichts ändern. So gibt das Opfer die Verantwortung ab. In der Opferrolle fühle ich mich machtlos oder auch verzweifelt und habe das Gefühl, ich bin nicht gut genug. Typische innere Sätze können sein: „Warum passiert das immer nur mir“, „ich kann doch auch nichts dafür“, „immer ich“, „ich kann das doch nicht“, „früher war doch alles besser“. In der Opferrolle bin ich auf der Suche nach einem Retter und oftmals finde ich diesen auch. Ja und jeder von uns geht auch mal in die Opferrolle, es gibt aber auch Menschen, die lieben die Opferrolle und fühlen sich darin sehr wohl.

Innere Haltung: +/- Ich bin ok, Du bist nicht ok
Der Retter  ist die Person, die helfend aktiv wird und gleich die gesamte Verantwortung für die Situation und für die Lösung übernimmt. Der Retter kennt den scheinbaren Lösungsweg und versucht, dem Opfer zu helfen oder ihm beizustehen. Je nach Überzeugungskraft beherrscht der Retter die Situation. Typische innere Sätze können sein: „Das mache ich schon für Dich“, „also da setzte ich mich für Dich ein“, „ich kann das, ich bin stark“. Der Retter ist immer zur Stelle, sofern er nur eine Situation ahnt, in der er jemanden retten kann. Besonders sensibel ist er Opfern gegenüber, die sich besonders ungeschickt oder hilflos anstellen. Geht die Rettungsaktion schief und gerät er selbst in die Opferrolle, kann er immer noch „Undank ist der Welten Lohn“ spielen. Natürlich bedient jeder von uns auch die Retter Rolle und es gibt auch hier Menschen, die es lieben, andere zu retten und die damit verbundene Anerkennung bekommen.

Innere Haltung: +/- Ich bin ok, Du bist nicht ok
Der Verfolger ist derjenige, der zur Rechenschaft ziehen möchte und ist sich sicher, dass er Recht hat. Selbstgerechtigkeit und Tugend werden vordergründig gezeigt, dahinter steht letztlich die Angst um die Gefährdung des eigenen Selbstbildes. Typische innere Sätze können sein: „Schau, wozu du mich gebracht hast“, „Du hast unrecht“, Du bist schuld nicht ich“. Der Spieler macht einen Fehler und beschuldigt dann einen anderen dafür: Jemand macht bei der Pflege am Patienten ständig Fehler und beschwert sich bei der Leitung vom Pflegeteam über das schlechte Team und die unmöglichen Arbeitsbedingungen. Deshalb wäre auch die Pflegeleitung für die Folgen verantwortlich. Der Verfolger versteht es, andere in die Defensive zu drängen und fühlt sich überlegen. Das kann sehr laut aber auch sehr leise passieren. Die Rolle des Verfolgers kennt jeder von uns, sei es schimpfend im Auto, mit der Freundin über den Partner oder mit Kollegen über die unfähigen Kollegen. Und auch hier gibt es Menschen, deren „Heimatbahnhof“ die Rolle des Verfolgers ist.

Psychologische Spiele entwickeln eine eigene Dynamik und sind an dem raschen Wechsel der drei Rollen zu erkennen. Diese Spiele laufen so automatisch und unbewusst ab, dass es uns fast „magisch“ hinein zieht.

Beispiel aus der Praxis

  • Die Pflegedienstleitung beschuldigt in der Besprechung laut eine Mitarbeiterin, dass sie nicht nach den Hygienevorschriften ihre Patienten versorgt. So wird sie der Verfolger und die Mitarbeiterin ihr Opfer.
  • Nun schreitet die Teamleitung ein und rechtfertigt die Mitarbeiterin – sie ist der Retter.
  • Die Pflegedienstleitung sagt daraufhin: „Ich kann mich nicht auch noch um die Pflege kümmern, ich habe so viel zu tun.“ Jetzt macht sie sich selbst zum Opfer.
  • Sie wechselt die Rolle und sagt: Hätte die Teamleitung ihren Laden im Griff, müssten wir jetzt nicht darüber diskutieren. Die Pflegedienstleitung ist jetzt Verfolger der Teamleitung.
  • Die Mitarbeiter greifen ein und versuchen jetzt den Ruf der Teamleitung zu retten. Und so weiter….

Am Ende bleiben ungute Gefühle und im schlimmeren Fall entwickeln sich daraus dicke Konflikte. Warum spielen wir dann diese Spiele? Sie haben einen Nutzen für die Spieler, sei es, dass Entscheidungen herausgezögert werden, einzelne Spieler besondere Aufmerksamkeit erhalten, von eigentlichen Problemen und Gefühlen abgelenkt wird oder auch positive Veränderungen boykottiert werden.

Zunächst mal ist es wichtig, diese Spiele und deren Manipulation zu erkennen. Häufig werden diese Spiele von intensiven (und unguten) Gefühlen begleitet.

Fragen Sie sich selbst:

  1. Wo lade ich zum Spiel ein?
  2. Welchen Köder „fresse“ ich immer wieder?
  3. Was sind meine Gefühle?
  4. Wer sind die Beteiligten?
  5. Welche Rollen werden bedient?

Im nächsten KAI Management-Newsletter am 14. Januar erfahren Sie mehr über mögliche Ausstiege aus diesen Spielen. Ich freue mich auf Sie und wünsche Ihnen wertvolle Erfahrungen.


Autorin: Doris Marx-Ruhland ist Geschäftsführerin der Team Marx-Ruhland GmbH. Sie und ihr Trainerteam begleiten seit über 15 Jahren Unternehmen und Menschen auf ihrem Entwicklungsweg. Ihre Leidenschaft ist die Arbeit mit Menschen und die nachhaltige Entwicklung von Teams und Führungskräften. Sie holen Menschen bei ihren Überzeugungen ab, bringen Bewegung in ihre Ansichten, spiegeln Verhalten und schaffen damit Verbundenheit und Zuversicht. Dabei sind sie loyal, humorvoll und bodenständig.

www.marx-ruhland.de; dmr@marx-ruhland.de; Tel. 08171/239261

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