Kann der Laie Sauerstofftherapie und Beatmung nicht auseinanderhalten, so wird eine felderfahrene Pflegefachkraft eine ziemlich detaillierte prototypische Vorstellung eines Menschen mit Beatmung im außerklinischen Setting zeichnen können. Das mag sich provokant lesen und dennoch werden die meisten von uns an einen Menschen mit liegender Trachealkanüle gedacht haben. Das vorherzusagen ist keine Leistung eines Mentalisten, sondern beruht auf Tatsachen. Welche Überlegungen angestellt werden müssen, und auf welche Fallstricke Pflegende vorbereitet sein sollten, kann dieses Jahr auf dem KAI im Workshop „NIV für Einsteiger“ genauso erfahren wie ausprobiert werden (20. November um 10:20-11:00 Uhr, Workshop Raum 2).

Beatmete Menschen brauchen einen Beatmungszugang. Einen Zugang, welcher letztlich erlaubt, über Druckunterschiede gezielt, geplant und kontrolliert Luft in die Lunge vorzubringen – die Gründe hierfür sind vielfältig.

Abgesehen vom nichtbeatmeten Menschen (Trachealkanüle mit grundsätzlich anderer Indikation) und weiteren nichtinvasiven Beatmungstechniken werden im außerklinischen Setting  nicht-invasive mittels Maske und invasive Beatmung via Trachealkanüle unterschieden.

Letztere lässt sich dann viel häufiger beobachten. Das liegt aber nicht etwa daran, dass mehr Beatmete eine Trachealkanüle haben, sondern daran, dass diese Menschen eben aufgrund zum Beispiel höherer Beatmungsinvasivität diesen Zugang brauchen und sich daraus die zusätzliche Notwendigkeit einer 24-Stunden Krankenbeobachtung ergibt. Die dann durch professionell Pflegende erbracht wird. Das ist eine etablierte, seit vielen Jahren erfolgende spezielle Pflege.

Insgesamt deutlich seltener, aber bedingt durch eine allgemeine Fallzahlsteigerung häufiger werdend, sind Menschen mit nichtinvasiver Beatmung außerklinisch professionell versorgt.
Dabei stellt diese aber nicht eine „leichtere“ Form der Beatmung dar. Nichtinvasive Beatmung geht mit Problemen einher, die Systembedingt bei Trachealkanülenträgern nicht unbedingt führend vorhanden sind: schlecht sitzende und drückende Masken, Leckagen, gegebenenfalls schwierigeres Sekretmanagement, unter Umständen auch schlechtere Kommunikation während der Beatmung, um nur einige zu nennen. Gerade deshalb ist es wichtig, diese eher seltene Form der außerklinischen Beatmung theoretisch zu besprechen und den Umgang praktisch zu üben.  (jk)