Die zeitlichen Möglichkeiten, die Pflegende bei den Patienten zur Prävention gegen Dekubitus von den Krankenkassen zur Verfügung bekommen, sind seit Jahren problematisch. Angehörige, die den Betroffenen mitversorgen, sind auf Dauer häufig überfordert, weil das regelmäßige Positionieren oder Kontrollieren sehr belastend sein kann.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Geräte entwickelt, die das Entstehen eines Dekubitus wirksam bekämpfen sollen oder bewirken, dass die Pflegenden nur dann aktiv werden müssen, wenn es auch tatsächlich erforderlich ist. Ganz aktuell wird ein neues Gerät angepriesen, welches sogar prognostisch voraussagen kann, ob ein Dekubitus entsteht. Welche Technik kommt auf uns zu? Was bringt das für Vor- und Nachteile? Eins ist sicher: Die Technik wird in Zukunft kommen. Heute können wir mitentscheiden, wie die Technik eingesetzt wird, sofern man sich jetzt informiert.

Dekubitusentstehung nicht sichtbar

Der Druck wirkt bei der Entstehung eines Dekubitus im Gewebe. Dabei sind die obersten Hautschichten am wenigsten gefährdet, da zum einen die Epidermis – also die oberste Schicht der Haut – keine eigene Blutversorgung hat und somit eine Ischämie nicht möglich ist. Zum anderen sind die in der Tiefe gelegenen Knochen – wenn sie nach außen gewölbt sind – eine Gegendruckstelle der druckbelasteten Stelle. Somit ist der Druck in der Tiefe höher als der Druck an der oberflächlichen Haut. Dekubitalulcera sind deshalb überwiegend ein Problem der Gewebstiefe. Doch in die Tiefe des Gewebes kann man nicht blicken, um zu kontrollieren, ob ein Dekubitus entsteht oder nicht. Nach dei bis fünf Tagen kann man schließlich eine dunkle Stelle an der druckbelasteten Haut beobachten, die einen Gewebsuntergang im Sinn einer Nekrose darstellt. Doch dann ist es bereits zu spät: Der Dekubitus ist im tiefen Gewebe vorhanden.

In den letzten 20 Jahren hat man im Rahmen der Erforschung eines Dekubitus vor allem die MRT-Bildgebung eingesetzt, um zu sehen, ob im Gewebe eine Schädigung vorhanden ist. Aus diesen Studien konnte man feststellen, dass nicht die Ischämie alleine der auslösende Faktor eines Dekubitus ist, sondern vielmehr kann der hohe Druck selber die Zellmembran schädigen und dadurch einen Gewebsuntergang einleiten. Diese Schädigungen der Gewebsmembran kann bereits nach wenigen Minuten eintreten, bei entsprechend hohem Druck.

Sensortechnik im Vormarsch

In den letzten Jahren hat sich vor allem die Sensortechnik weiterentwickelt. Kleine Messplatten unter die Matratze gelegt oder sogar winzige Pflaster erfassen die Beweglichkeit des Patienten und geben dann Alarm, wenn die Eigenbewegung nicht mehr ausreichend stattfindet, um einen Dekubitus zu verhüten. Die Messergebnisse werden als Kurve aufgezeichnet, so dass man sogar rückblickend über Monate oder Jahre nachweisen kann, dass der Patient sich selber bewegt hat. Allerdings werden auch die durch die Pflegekraft durchgeführten Positionierungen erfasst, was einerseits die Dokumentation vereinfacht, aber auch eine Überwachung darstellt. Die Sensoren können die Atmung, Feuchtigkeit und Sturzprognose vorhersagen. Die neueste Generation von Sensoren ist nur noch wenige Zentimeter groß und in einer hauchdünnen Folie integriert. In einer Vergleichsstudie wurde ermittelt, wie häufig der Patienten positioniert wird – ohne oder mit dieser Technik. Beim Einsatz der Technik wird der Patient nur dann positioniert, wenn die Sensoren feststellen, dass die Eigenbewegung nicht mehr ausreichend durchgeführt werden. Durch den Einsatz der Sensortechnik wurden zwischen 60 und 75 Prozent der ursprünglich geplanten Positionierungen eingespart.

Kombigeräte sind die Zukunft

In Zukunft werden Anti-Dekubitusmatratzen auf den Markt kommen, die selber Druckentlastung vornehmen, wenn die Sensoren feststellen, dass die Eigenbewegung des Patienten nicht ausreicht. Diese technischen Hilfen wären im häuslichen Bereich eine Möglichkeit, Angehörige zu entlasten und Sicherheit zu vermitteln. Die neueste Technik sind Diagnosegeräte, die im Gewebe eine Schädigung erkennen können, bevor es zu spät ist. Die SEM-Scanner werden mit einem Sensor auf das druckbelastete Gewebe gehalten und das Gerät kann feststellen, ob ein Ödem als erste Schädigung im Gewebe vorhanden ist bzw. entsteht. Die Bezeichnung SEM steht für Sub Epidermal Moisture – also Feuchtigkeit unter der Haut. Besser wäre wohl die Bezeichnung „Ödem im Gewebe“. Das Gerät kann erkennen, welche Patienten innerhalb der nächsten drei bis fünf Tage einen Dekubitus erleiden würden. Bei diesen Patienten sollten die präventiven Maßnahmen zur Vermeidung eines Dekubitus deutlich verstärkt werden und druckverteilende Systeme wie Anti-Dekubitus-Matratzen verwendet werden. Sicherlich werden in Zukunft die Geräte für diese Diagnostik kleiner und vor allem patientenfern einsetzbar sein, so dass die Pflegekraft gar nicht mehr selber messen muss. Vorstellbar ist auch, dass die Messtechnik in die Matratze integriert wird und somit eine dauerhafte Messung stattfinden kann.

Klar ist, dass diese Techniken kommen werden, denn wir nutzen diese Techniken heute mit jedem Smartphone. Doch kann das die Pflegefachkraft nicht ersetzen. Es ist jedoch eine wertvolle Hilfe in der gezielten Prävention vor Dekubitus.

Autor: Gerhard Schröder, Lehrer für Pflegeberufe, Akademie für Wundversorgung, info@akademie-fuer-wundversorgung.de

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