Schon früh hat der Hildesheimer proVida Pflegedienst auf digitale Prozessoptimierung gesetzt. In der Corona-Pandemie konnte so unter anderem der Austausch unter den Kollegen aufrechterhalten werden. Qualitätsdirektorin Nele Trauernicht hat sich darüber hinaus an ein neues Thema gewagt: einer Praxispublikation für ambulante Pflegedienste.

Interview: Asim Loncaric

Frau Trauernicht, beschreiben Sie uns bitte die aktuelle Situation der Pflegekräfte aus Ihrer subjektiven Wahrnehmung.

Pflegekräfte im ambulanten Bereich sind ja schon immer ein wenig „Einzelkämpfer“ gewesen. Dies hat sich durch die Corona Pandemie noch verstärkt. Der persönliche Austausch kann nur noch eingeschränkt stattfinden. Teamsitzungen, Fortbildungen oder teambildende Maßnahmen sind, so wie vor der Pandemie, nicht mehr machbar. Auch wenn es digitale Alternativen gibt, fehlt einfach der persönliche Austausch, der Kontakt zu den Kollegen und auch einfach mal ein Kaffeeplausch. Das Arbeiten unter der persönlichen Schutzausrüstung ist sehr anstrengend und kostet in der Summe auch viel Zeit. Auch die täglichen Schnelltests müssen in den Alltag integriert werden. Das ist eine zusätzliche Belastung. Zusätzlich sind die Mitarbeiter auch einem hohen psychischem Druck ausgesetzt. Sehr viele Kunden, die häufig Hochbetagt sind und der Risikogruppe angehören, leiden sehr unter der sozialen Isolation und haben Ängste. Dies muss oft von den Pflegekräften aufgefangen werden. Zusätzlich fährt immer die Angst mit, sich selber anzustecken oder unbewusst die Kunden zu infizieren. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung sind viele Mitarbeiter im ambulanten Bereich noch nicht geimpft, im Gegensatz zu den meisten Kollegen im stationären Bereich. Dies führt zu Unverständnis, da sehr viele Mitarbeiter sich gerne impfen lassen möchten.

Nele Trauernicht, Qualitätsdirektorin, proVida

Wie gehen Sie damit als Führungskraft um?

Der proVida Pflegedienst ist seit seiner Gründung durch unseren Geschäftsführer Philipp Seifert sehr stark digitalisiert. Dies kommt uns nun zusätzlich zugute. Wir führen seit Beginn der Pandemie mehrmals wöchentlich gemeinsame Videokonferenzen durch. Die Mitarbeiter nehmen dies sehr gerne und gut an. So bleiben wir in Kontakt, tauschen Informationen aus und besprechen wichtige Dinge. Aber es ist auch immer Zeit für den Austausch zu z. B. belastenden Situationen, Sorgen und Ängsten. Dies ist eine gute Möglichkeit die Kommunikation mit und unter dem Team aufrecht zu erhalten, ersetzt aber den persönlichen Kontakt (vor allem jetzt nach einem Jahr) nicht. Wir sehnen uns alle nach persönlichen Treffen. Als Führungskräfte bieten wir den Mitarbeitern jederzeit persönliche Einzelgespräche (unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen) an. Wir haben festgestellt, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter immer mit aktuellen und guten Informationen zur aktuellen Lage zu versorgen. Aufklärung und Transparenz geben den Kollegen Sicherheit im Umgang mit der Situation. Durch die gute Aufklärungsarbeit konnten wir beispielsweise eine Impfbereitschaft von fast 90 Prozent unter den Mitarbeitern erreichen.

Gemeinsam mit Philipp Seifert und unserer Redaktion haben Sie die Beilage „Ambulante Pflegepraxis“ auf den Weg gebracht und betreuen Sie ab jetzt monatlich. Was hat Sie dazu bewogen?

Sind wir ehrlich: Fachzeitschriften werden meist zunächst von den Leitungskräften gelesen und verbleiben dann im Büro. Sicherlich werden hier und da einzelne Artikel auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergegeben; oder die Zeitschriften liegen im Besprechungs-/Meetingraum aus, aber so richtig kommen sie nicht in der Praxis an. Philipp Seifert hatte vor einiger Zeit die Idee zu einer praxisorientierten Zeitschrift und ich war direkt Feuer und Flamme. Mit der Redaktion von Häusliche Pflege haben wir einen Partner gefunden, der dies nun mit uns umsetzt. Das freut mich sehr!

Beschreiben Sie uns bitte kurz das Konzept.

Es wird eine Beilage zur Zeitschrift „Häusliche Pflege“ entstehen die monatlich erscheint. Darin werden immer vier Beiträge von unterschiedlichen Autoren veröffentlicht. Das Angebot richtet sich explizit an alle Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis. Neben der gedruckten Version wird auch eine digitale Ausgabe als Download zur Verfügung gestellt. So kann jeder Pflegedienst entscheiden, welche Themen er in welchem Umfang an seine Mitarbeiter weitergibt.

Sie sprechen von Themen. Welche neuen Schwerpunkte erwarten die Leserinnen und Leser?

Eine Beilage besteht wie gesagt aus vier unterschiedlichen Artikeln die jeweils zwei Seiten umfassen. Folgende Schwerpunkte wird es immer geben: ein aktuelles Thema, zum Beispiel der „Tag der Pflegenden“, ein Artikel mit Tipps zur Altenpflegemesse oder zur generalistischen Ausbildung, ein pflegefachliches Thema, beispielsweise „Expertenstandard Mobilität“, „Umgang mit Demenz“ oder zur „pflegefachlichen Risikoeinschätzung“, ein wechselndes Thema, zum Beispiel „Digitalisierung in der Pflege“, „Einarbeitung neuer Kollegen“ oder „Freiheitsentziehende Maßnahmen“ und einen Teil für die soziale Betreuung. Hier wird es jahreszeitlich angepasste Vorschläge zur Zehn-Minuten-Aktivierung, Gesprächsthemen und Vorschläge zu Bewegungsangeboten geben. Wir nehmen aber auch gerne Vorschläge oder Wünsche der Leserinnen und Leser an.

Alles zur neuen Praxisbeilage in der Zeitschrift Häusliche Pflege erfahren Sie auch unter haeusliche-pflege.net.


Autor: Asim Loncaric ist Redakteur in der Redaktion Häusliche Pflege; asim.loncaric@vincentz.net

Foto: Florian Arp