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Malte Hanelt über Pflege im internationalen Vergleich, den Personalschlüssel und den KAI

Malte Hanelt ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des KAI. Wir haben ihn zwischen zwei Vorträgen zu fassen gekriegt und ihm einige Fragen über seinen Beruf, seine Erfahrungen und natürlich auch über den KAI 2016 gestellt. Hier können Sie sich das Interview durchlesen.

Warum hast du dich für die Kinderintensivpflege als Arbeitsbereich entschieden?

Wie so viele junge Männer, die Pfleger geworden sind, bin ich durch meinen Zivildienst geprägt worden. Was mich fasziniert hat, war einerseits die Mischung aus dem, was man da so in Form von Notfallmedizin und Akutmedizin mitbekommt. Außerdem hat die Pflege sich in den letzten Jahren zu einer serviceorientierten Dienstleistung verändert. In der Intensivstation hat man aber durchaus noch die Möglichkeit, das umzusetzen, was man in der Vergangenheit unter dem Pflegebegriff verstanden hat: Tatsächlich für Patienten da sein – den Dienst am Patienten. Das waren so die ausschlaggebenden Punkte.

Was machst Du jetzt gerade beruflich?

Hauptberuflich bin ich in Tübingen beschäftigt. Gerade erwischst Du mich in Ludwigsburg bei meinem Nebenjob. Ich leite hier die Fachweiterbildung Anästhesie, Intensivpflege, Pädiatrie und Neonatologie. Ich leite sie fachlich und organisatorisch, sprich ich bin für die Aus- und Weiterbildung von Kolleginnen und Kollegen der pädiatrischen Intensivpflege zuständig.

Zusätzlich bin ich auch bei einer Schulungsfirma und gebe Vorträge, Workshops, von kleinen Tagesveranstaltungen über ganze Seminare. Und dort habe ich die Möglichkeit, auch andere Krankenhäuser, andere Einrichtungen, andere Pflegedienste kennen zu lernen. Und nehme natürlich auch jedes Mal etwas Neues davon nach Hause.

Wo hältst du die Vorträge?

In ganz Deutschland, aber auch international, vor allem in Kanada, Nordamerika, Großbritannien. Außerdem hatte ich auch schon die Möglichkeit Japan Vorträge zu halten.

Ich habe das große Glück, dass ich in Tübingen in einem Team Mitglied sein darf, das mich unterstützt. Natürlich versuche ich immer, auch wieder etwas zurück zu geben.

Du hast die Pflege also international kennen gelernt. Wie steht Deutschland im Vergleich da?

Wir stehen im internationalen Vergleich sehr gut da. Generell gibt es aber zu wenig Kommunikation mit anderen Ländern. Das müsste intensiver gefördert werden. Allerdings gibt es dazu schon verschiedene kleinere Projekte – zum Beispiel wird Englisch für Pflegekräfte angeboten.

Was die Forschung angeht: Das Mutterland der Forschung der Pflege sind die Vereinigten Staaten. Viele der Konzepte, die dort entstanden sind, sind aber im deutschsprachigen Raum weiterentwickelt worden.

Wenn wir von der Arbeit am Bett sprechen, da arbeiten wir in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn es an vielen kleinen Stellen noch etwas zu verbessern gibt.

Vor allem ist das der Personalschlüssel. Da dürfen wir durchaus neidisch nach Großbritannien oder Amerika schauen, weil es dort üblich ist, dass Patienten, die sehr krank sind, nur von einer Pflegekraft versorgt werden und das ist in deutschen Kliniken nicht üblich. Da gibt es sicherlich Nachholbedarf.

Zur Mitarbeiterzufriedenheit fällt mir spontan eine Arbeit von die Bianca Siegling aus Aachen ein, die das 2013 untersucht hat. Sie hat Intensivstationen unter anderem zur Mitarbeiterzufriedenheit befragt. Dabei ist herausgekommen, dass über 60% ihren Beruf gerne machen und ihn auch wieder ergreifen würden. Das ist auch das, was ich mitbekommen habe.

Was wünschst du dir für die Kinderintensivpflege?

Zum einen auf jeden Fall den Personalschlüssel. Außerdem soll die Pflegeausbildung in Deutschland angleichen soll, sprich eine eingleisige Ausbildung zu machen. Dadurch würde man sich später erst zur Alten- bzw. Kinderkrankenpflegekraft differenzieren. Das ist aus Sicht der Altenpflege sicherlich ein Vorteil, aus Sicht der Pädiatrie ist es aber ein Nachteil. Ich wünsche mir, dass eine Ausbildung von spezialisierten Kräften so früh wie möglich beginnt. Dieses Gesetz müssen wir deshalb so aktiv wie möglich mitgestalten, um für unsere Patienten da sein zu können.

Du bist beteiligt am KAI-Programm – welchem Grundgedanken seid ihr bei der Erstellung des Programms gefolgt?

Insgesamt steht der KAI unter dem Fokus Lebensteilhabe. Das ist das große Ziel, dafür wollen wir einen Beitrag leisten.

Meinen Teil dazu leiste ich unter anderem mit der Planung der Pädiatrie. Im letzten Jahr hatten wir mit dem Umzug ins Berliner Olympiastadion schon teilweise pädiatrische Vorträge. In diesem Jahr haben wir es geschafft, über 2 Kongresstage durchgehend ein pädiatrisches Programm – von Vorträgen über Workshops zu interaktiven Sitzungen – gestalten zu können. Parallel wollen wir aber auch die Schnittstellen, die wir in vielen Bereichen der Intensivpflege haben, herausstellen. Zum einen ist das die Angehörigenarbeit. Das ist aber auch beispielsweise ganz praktisch: „Wie verreise ich mit beatmeten Patienten?“ Das sind Sitzungen, auf die ich mich sehr freue.

Inwiefern trägst du mit deinem Vortrag dazu bei?

Ich halte dieses Jahr einen Vortrag zum Thema „Grundlagen der Beatmung“. Wir werden von der Industrie mit vielfältigen Möglichkeiten ausgestattet, Patienten sehr differenziert zu beatmen. Damit man versteht, was ein Träger macht, muss man z.B. die Grundzüge der PSV- und der APCV-Beatmung beherrschen und ein Verständnis von Peep und Inspirationsdruck haben.

Der Vortrag richtet sich primär an Kollegen mit gar keiner bzw. wenig Erfahrung in der Beatmungspflege. Dadurch will ich den Kollegen vor allem Ängste, Vorbehalte, gegenüber der Technik, der Einstellung, der Parameter etc. nehmen. Weitere Dinge werden dann im Vortrag vertieft.

Vielen Dank für die Einblicke, Malte! Dem KAI blicken wir jetzt noch gespannter entgegen und freuen uns auf deinen Vortrag!