Nachdem es in Teil 1 zur assistierten Dialyse um die Versorgung an sich ging, erläutert Teil 2, was das „Netzwerk Assistierte Dialyse“ (NADia) ist und wie arbeitet.

NADia ist eine Initiative gegründet von Ärzten, Pflegekräften, Patienten sowie Gesundheitsökonomen, Mitarbeitern von Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsunternehmen. Oberstes Ziel von NADia ist die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Versorgung von Patienten mit chronischem Nierenversagen, die trotz eingeschränkter Selbsthilfefähigkeit eine häusliche Dialyseform gewählt haben. Basierend auf dem Projektmodell „Assistierte Dialyse Berlin“, welches seit 2013 existiert, hat sich das Steuerungsteam von NADia zum Ziel gesetzt, Voraussetzungen für die bundesweite Vernetzung von nephrologischer Behandlung und ambulanter Pflege zu schaffen.

Durch innersektorale, ressourcenübergreifende Kooperationen sollen Versorgungsdefizite für diese immer größer werdende Patientengruppe überwunden und die Leistung der assistierten Dialyse durch Pflegeanbieter in die Regelversorgung der häuslichen Krankenpflege übernommen werden. Die bislang aufwendigen Einzelfallverhandlungen und oftmals ungeregelten Genehmigungsverfahren können dadurch ersetzt und die Versorgungs-leistungen schneller umgesetzt werden. Das Schließen dieser Versorgungslücke in Deutschland ermöglicht es, die Therapiewünsche von Patienten und Angehörigen im häuslichen Umfeld umzusetzen („patient-focused care“).

Was macht NADia?

NADia organisiert bundesweite Strukturen und unterstützt regionale Aktivitäten zur Umsetzung der assistierten Dialyse für Patienten mit einem Heimdialyseverfahren, die ihre Behandlung nicht oder nicht mehr selbstständig
durchführen können. NADia sieht sich als Vermittler zur Etablierung der übergreifenden Kommunikation zwischen Patienten, Leistungserbringern und Kostenträgern. NADia unterstützt beim Aufbau von regionalen Netzwerken oder bei der Umsetzung zur Durchführung der assistierten Dialyse sowohl bei der Organisation als auch bei den Verhandlungen für die derzeitig noch gültigen Einzelfallentscheidungen mit den Krankenkassen. Im nächsten Schritt soll eine Vergütungsregelung mit den Krankenkassen herbeigeführt werden. NADia erarbeitet Ausbildungsstandards zur Qualifizierung der Pflegekräfte von Pflegeanbietern und stellt somit die professionelle Assistenz in der Häuslichkeit der Patienten sicher. Um eine möglichst große Transparenz zwischen allen NADia Kooperationspartnern zu schaffen, hat das Steuerungsteam unter www.netzwerk-nadia.de eine Homepage erstellt.

Schulung und Zertifizierung

Die Besonderheit des Konzeptes der assistierten Dialyse bildet die Einbindung einer wohnortgebundenen Assistenz durch professionelle Pflegeanbieter in der Versorgung der Dialysepatienten. Die Erbringung der  Assistenzleistung setzt die Qualifikation von Pflegepersonal mit abgeschlossener Ausbildung in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege nach einem zertifizierten Curriculum voraus. Der Lehrplan umfasst insgesamt vier Lernteile. Diese bestehen aus einer Kombination von E-Learning, Präsenz- und Praxisschulung. Konkrete Anleitungen und standardisiertes Ausbildungsmaterial zur Durchführung von Schulungen für das auszubildende Assistenzpersonal der Pflegeanbieter können über das NADia Team www.nadia-netzwerk.de angefordert werden.

Der erfolgreiche Abschluss einer theoretischen und praktischen Prüfung qualifiziert für den Einsatz als „Assistenzkraft Peritonealdialyse“. Eine Rezertifizierung erfolgt alle 12 Monate. Die Mindestanforderung für die Qualifikation der verantwortlichen Lehrkräfte ist die abgeschlossene Ausbildung als Fachkrankenpfleger/innen in der Nephrologie mit mindestens zweijähriger Heimdialyseerfahrung.

Wo kann mit Assistierter Dialyse versorgt werden?

Individuell an die Lebens- und Wohnortsituation des Patienten angepasst, kann die assistierte Dialyse durch Tourenpflege in der Herkunftshäuslichkeit, in ambulanten Wohnformen, in stationären Einrichtungen und in der
außerklinischen Intensivpflege erfolgen. Immer wieder werden dialysepflichtige Patienten mit großem Aufwand in Dialysezentren transportiert. Beatmete Patienten müssen von einer Fachkraft für Intensivpflege zur Dialyse begleitet und über mehrere Stunden dort betreut werden. Dies stellt einen erheblichen Eingriff in die Lebenssituation des Patienten dar. Der erhöhte Zeitaufwand für das Pflegepersonal wird in der heutigen Situation des Pflegekräftemangels ein immer größeres Problem.

Die Aufwendungen für Transportkosten sind erheblich. Geregelte Strukturen für assistierte Dialyse sind dringend erforderlich. Patienten, Pflegeanbieter und Kostenträger profitieren gleichermaßen von der Möglichkeit der assistierten Dialyse in der Häuslichkeit des Patienten. Für die Krankenkassen bedeutet dies eine Einsparung an Fahrtkosten, insbesondere bei beatmeten Patienten. Für eine erfolgreiche Durchführung der assistierten Dialyse ist die enge Absprache mit dem Dialyseteam notwendig. Die Durchführungsverantwortung bleibt beim betreuenden Nephrologen.

Umfang der Versorgungsleistung in der assistierten PD

Der behandelnde Nephrologe legt die Dialysetherapie mit der höchst möglichen Dialyseeffizienz fest. Je nach Leistung des Bauchfells (Transporte-typ) errechnet sich das für den Patienten zu priorisierende Verfahren, CAPD
(kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse, kurz „PD“) oder APD (automatisierte PD). Ist es medizinisch möglich, den Patienten mit einem Cyclerverfahren (APD) zu dialysieren, sollte dieses im Rahmen der assistierten PD unter Berücksichtigung
der Kosten und Ressourcen bevorzugt werden. Für die Versorgung mit APD werden zwei Einsätze mit insgesamt 60 Pflegeminuten pro Tag kalkuliert. Bei der CAPD verdoppeln sich sowohl Einsätze als auch Pflegeminuten.

Gesundheitsökonomische Bedeutung

Aus gesundheitsökonomischer Sicht erscheint es anhand der internationalen Erfahrungen und auf Basis der aktuellen Studienergebnisse zielführend, durch vereinfachte verfahrens- und genehmigungsrechtliche Bedingungen die Zunahme der Heimdialyseverfahren von derzeit ca. 8 Prozent auf ca. 20 Prozent im Versorgungsanteil sicherzustellen. Entsprechende Kostenvergleichsrechnungen der assistierten PD auf der Basis von gesundheitsökonomischen Bewertungen lassen ein signifikantes Einsparpotenzial von 10.000 – 13.000 Euro pro Jahr und Fall im Vergleich zur Zentrumsdialyse insbesondere aufgrund einer Reduzierung kostenintensiver Transporte bei besserer Prozessqualität erkennen. Die bundesweiten Vergütungen für die assistierte PD unterscheiden sich erheblich je nach Krankenkasse bzw. Bundesland aufgrund der im Einzelfall unterschiedlichen Bewilligungsverfahren. Die Unterschiede betreffen sowohl die Höhe der Vergütung als auch den Modus des Kostensatzes als Tages-, Monats- oder Einsatzpauschale, teils mit und ohne Fahrkostenerstattung. Das derzeit bundesweit geltende  Genehmigungsverfahren für die spezialisierten Pflegedienste auf Basis von Einzelfallentscheidungen gem. § 132 a SGB V (Versorgungsvertrag zur häuslichen Krankenpflege) erweist sich somit als nicht zufriedenstellend. Eine einheitliche Regelung der Vergütung bzw. eine Konvergenz der Kalkulationsmethodik erscheint vor dem Hintergrund erfolgversprechend, sollte das Verfahren Aufnahme in den Richtlinienkatalog finden.

ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN

In anderen Ländern wie z. B. Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Kanada und China findet man teilweise langjährig etablierte assistierte PD-Programme, die sich in ihrer Umsetzung jedoch nach Therapiemodalitäten und
Assistenzkonzepten unterscheiden. Erstrebenswert für die deutsche Umsetzung ist das französische aPD-Modell. Es ist insofern besonders, weil die Patienten ihre PD-Modalität eigenständig wählen und sowohl von der Familie als auch von einer Pflegekraft versorgt werden können. Die Kostenträger übernehmen die Kosten für alle Versorgungsoptionen.


Autoren: Kerstin-Brigitte Iseke, Ursula Oleimeulen, Marius Greuèl, Benno Kitsche; Mitglieder Steuerungsteam NADia

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