Im Projekt „Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastrukturen in Krisensituationen“ (AUPIK) will ein Forschungskonsortium herausfinden, wie es um die ambulante Versorgung pflegebedürftiger Menschen in außergewöhnlichen Situationen wie Hochwasser, Stromausfällen oder auch Pandemien steht. Projektkoordinator Marco Krüger vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Uni Tübingen erklärt im Interview mit bmbf.de, dem Online-Portal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wie das vom Ministerium geförderte Projekt besonders durch die Corona-Pandemie an Aktualität gewinnt.

bmbf.de: Herr Krüger, Sie koordinieren seit März 2020 ein Verbundprojekt zur Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastrukturen in Krisensituationen. Hätten Sie gedacht, dass das Thema durch die Coronakrise so schnell aktuell wird?

Marco Krüger: In der Tat wird die Gewährleistung von Pflege, sowohl im häuslichen Umfeld als auch in Pflegeheimen, seit der Corona-Pandemie stärker in der Öffentlichkeit diskutiert. Relevant war sie aber auch schon zuvor.

Das zeigen Erfahrungen aus früheren Krisen – wie beispielsweise der Münsteraner Wintersturm im Jahre 2005 oder aber die Elbhochwasser 2002 und 2013. Dass Pflegeinfrastrukturen besonders von der Pandemie betroffen sind, zeigt, dass es wichtig ist, verstärkt über Vulnerabilität und die Bedürfnisse derer zu sprechen, die sonst nicht im Fokus der Sicherheitsdebatte stehen. Dabei geht es um die Frage, wie eine Gesellschaft sicherstellen kann, dass alle Mitglieder gleichberechtigt Schutz in Krisensituationen erhalten.

Ist das nicht der Fall?

Leider nein. Katastrophenschutzeinheiten haben oft zu wenige Informationen über den Aufenthaltsort und die Bedarfe von Menschen mit Pflegebedarf, um stets schnell und zielgerichtet helfen zu können. Dazu bestehen Defizite in der Vernetzung von Pflege- und Katastrophenschutzinfrastrukturen. Ausgehend vom Szenario eines langanhaltenden Stromausfalls nehmen wir im Projekt AUPIK nun diesen Bereich in den Blick und erforschen Wege, um die ambulanten Pflegeinfrastrukturen – und damit die pflegerische Versorgung – krisenfester zu machen.

Was sind die Ziele des Projekts?

Wir wollen die ambulanten Pflegeinfrastrukturen und damit die häusliche pflegerische Versorgung in Krisen stärken. Dazu möchten wir erforschen, welches Wissen, aber auch welche Unterstützung ambulante Pflegedienste und weitere an der häuslichen Betreuung von pflege- und hilfsbedürftigen Personen beteiligten Akteure benötigen, damit sie ihrer Arbeit möglichst gut nachkommen können. Hierfür befassen wir uns mit der Frage, wie der Katastrophenschutz mit seinen Kompetenzen zur Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastrukturen beitragen kann und welche Kompetenzen auf pflegerischer Seite gestärkt werden müssten. Für den Fall, dass die Aufrechterhaltung der ambulanten Pflege nicht mehr möglich sein sollte, wollen wir zudem Möglichkeiten der vorübergehenden Zentralisierung der Versorgung erarbeiten, etwa in Form eines „Betreuungsplatzes Intensivpflege“. Diese Ziele verfolgen wir auf zwei Ebenen: Einerseits gilt es, die strukturellen Voraussetzungen für beide Szenarien auf Seiten der Pflegedienste und des Katastrophenschutzes zu schaffen. Andererseits wollen wir die Kompetenzen und Handlungsoptionen von Mitarbeitenden in Pflegediensten und Helferinnen im Katastrophenschutz mittels zu entwickelnder Informations- und Schulungsmaterialen für die Aus- und Weiterbildung stärken.

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Foto Marco Krüger: IZEW, Uni Tübingen